Direkt zum Inhalt
Film

Das Aufführungsverbot von GROSSE FREIHEIT NR. 7 hat in der Filmliteratur große Beachtung gefunden. Allerdings gibt es für keine der vielen Varianten der Verbotsgründe klare Belege. Aktenkundig ist, dass Goebbels zunächst sehr an einer Realisierung des Projekts interessiert war. Ein Beweis dafür ist, dass der Film in Agfacolor gedreht wurde, obwohl das Rohmaterial zur Herstellung immer knapper und kostspieliger wurde. Selbst die astronomische Gage von 406.000RM für Hans Albers wurde vom Reichspropagandaminister bewilligt. Doch im Dezember 1944 wurde der Film von der NS-Prüfstelle verboten, die geplante Premiere in Hamburg abgesagt und der Film ausschließlich im Ausland aufgeführt. Wahrscheinlich lässt sich das Verbot auf die kritische Milieubeschreibung sowie Figurenzeichnung zurückführen. Besonders Großadmiral Dönitz soll protestiert und befunden haben, der Film zeige ein verächtliches Bild der Marine und der Seeleute. Diese sind im Film, allen voran Hans Albers, keine strammen Helden, sondern frivole Rabauken. Die Frauen rauchen, trinken und werden sogar im Bett mit ihren Liebhabern gezeigt. 1945 erhält GROSSE FREIHEIT NR. 7 unerwartet den schwedischen Kritikerpreis und nach Ende des Zweiten Weltkrieges gibt die alliierte Filmprüfstelle den Film als einen der ersten deutschen NS-Filmproduktionen wieder frei. Hans Albers wird zum Nachkriegsstar und GROSSE FREIHEIT NR. 7 zu einem der erfolgreichsten frühen Farbfilme.

Der ehemalige Seemann Hannes sieht sich in St. Pauli als Stimmungssänger im Nachtlokal „Hippodrom“ gestrandet. Nach dem Tod seines Bruders nimmt er dessen Frau Gisela bei sich auf. Hannes verliebt sich und geht wie selbstverständlich davon aus, dass sie seine Gefühle erwidert. Allerdings lernt Gisela in der Zwischenzeit den Werftarbeiter Willem kennen…

„Deftiges Seemannsgarn verbindet sich mit nüchternem Realismus und heftigen Gefühlen, authentischer Atmosphäre und einem Hauch von Resignation. Der straff inszenierte Film zeigt Albers als Schauspieler und Sänger von seiner besten Seite. Er war im Dritten Reich – nicht aber im deutschbesetzten Ausland – verboten. Guter alter Kintopp, farblich reizvoll in Agfacolor gestaltet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mi 17.8.16 18.00 Uhr
So 21.8.16 15.00 Uhr
50 Jahre Murnau-Stiftung: Nicht NS-konform
GROSSE FREIHEIT NR. 7
Regie: Helmut Käutner, DE 1943/44, 110 min, 35mm, FSK: ab 6, mit Hans Albers, Ilse Werner, Hans Söhnker

Einführung: Dr. Manfred Kögel (beide Termine)

« Zurück