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Der wahnsinnige Dr. Caligari versetzt mit Hilfe eines Somnambulen namens Cesare eine kleine norddeutsche Stadt in Angst und Schrecken. Tagsüber präsentiert Caligari den an einer merkwürdigen, tranceartigen Krankheit leidenden Cesare auf dem Jahrmarkt. Dort sagt der hochgewachsene, dürre und blasse Somnambule den Schaulustigen die Zukunft voraus. Des Nachts aber schleicht dieser Sklave Caligaris durch die Stadt und begeht unter dem Einfluß seines Herrn furchtbare Morde. Als eines Nachts ein junger Mann ermordet wird, dem Cesare den nahen Tod prophezeit hatte, ahnt Francis, ein Freund des Toten, dass Dr. Caligari mit der Sache zu tun hat. Als Francis‘ Freundin Jane von Cesare bedroht und entführt wird, wird der Verdacht zur Gewissheit.

Deutschland 1919 – die Republik eben erst ausgerufen, die ‚Goldenen Zwanziger‘ noch ein gutes Stück weit entfernt, ein Land zwischen Kriegsverarbeitung und Aufbruchsstimmung. Die Idee des filmischen Expressionismus und der damit verbundenen Darstellung von menschlichen Abgründen, hätte kaum einen besseren Nährboden finden können. Sei es die Auseinandersetzung mit der Fragilität des menschlichen Geistes, der Angst vor dem Unbekannten oder dem Tod selbst – stets spiegelte sich die Thematik auch in der Bildsprache wider. Die Geschichte wartet neben der vordergründigen Auseinandersetzung mit Themen wie Zukunftsangst, Wahn und Tod, mit einer doppelbödigen Handlung auf, die sich erst im finalen Akt erschließt. Doch nicht nur die Handlung erscheint als Musterbeispiel des expressionistischen Films, vielmehr lebt er auch von den bis ins Groteske überzeichneten Kulissen von Walter Reimann, Hermann Warm und Walter Röhrig, die von Kameramann Willy Hameister gekonnt in Szene gesetzt wurden.
 
Die 4K Restaurierung erfolgte durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden auf Grundlage des Kameranegativs aus dem Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin. Der erste Akt fehlt im Kameranegativ und wurde mit Hilfe verschiedener Kopien ergänzt. Eine deutsche Verleihkopie ist nicht erhalten. Farbvorlage waren zwei Nitrokopien aus Lateinamerika, die die beiden frühesten erhaltenen Kopien des Films darstellen.

Weitere Informationen zum Film gibt’s hier

Die Veranstaltungsreihe findet statt in Kooperation mit dem Verein 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.. und der jüdischen Gemeinde Wiesbaden.

Mi 13.10. 19.00
Jüdische Filmschaffende im Kino der Weimarer Republik
DAS CABINET DES DR. CALIGARI
Regie: Robert Wiene, DE 1919, 77 min, DCP mit eingespielter Musik von der Hochschule für Musik Freiburg i. Br. unter der künstlerischen Leitung von Cornelius Schwehr, FSK: ab 6, mit Werner Krauß, Conrad Veidt, Friedrich Fehér, Lil Dagover

Einführung: Medienwissenschaftler Arndt Klingelhöfer


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