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In der Reihe Film trifft Buch präsentieren im Oktober Autor Rainer Rother (Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin) und Ernst Szebedits (Vorstand Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) die Publikation „Zeitbilder. Filme des Nationalsozialismus“. In diesem Kontext wird der nationalsozialistische Propagandafilm STUKAS besprochen, der im Anschluss auf der Leinwand zu sehen sein wird.

Das Buch "Zeitbilder. Filme des Nationalsozialismus"
In keiner Periode der deutschen Filmgeschichte strömten mehr Zuschauer ins Kino als in den letzten Jahren des Nationalsozialismus: Anfang der 1940er-Jahre zählte man jährlich über eine Milliarde Kinobesucher. Dabei wurden keineswegs nur die vermeintlich rein unterhaltenden Produktionen – Revuefilme wie HALLO JANINE beispielsweise – zu Kassenschlagern. Auch Propagandafilme wie BISMARCK oder JUD SÜSS waren Publikumserfolge. Eine solche Wirkung konnten sie nicht zuletzt durch ihre spezifische filmische Gestaltung entfalten. Auf diese filmsprachlichen Besonderheiten zielt diese Untersuchung, die auch unbekanntere Produktionen wie STOSSTRUPP 1917 oder PATRIOTEN einbezieht. Analysiert werden die Eigenschaften, durch die sie für ein großes Publikum zum „Filmerlebnis“ werden konnten. Neben NS-spezifischen Formaten wie der „heroischen Reportage“ oder dem „Zeitfilm“ erlebten Genres wie das Melodrama und der Historienfilm ihre Blütezeit.

Die propagandistischen Filme der NS-Zeit knüpften an Sehgewohnheiten, Genrevorlieben und politische Einstellungen des Publikums an und gaben den Zuschauerinnen und Zuschauern offenbar das, was sie wünschten. Gefragt wird danach, was an der Propagandaproduktion in diesem Sinne attraktiv sein konnte, wie Staatsaufträge als Unterhaltungsprodukte tauglich wurden. Was verbindet Karl Ritters PATRIOTEN mit Jean Renoirs LA GRANDE ILLUSION? Welche Kunstgriffe machten die Kriegswochenschau zum Erlebnis für das zeitgenössische Kinopublikum? Was stand hinter dem damaligen Streben nach dem nationalsozialistischen Film?

 

Buchvorstellung Zeibilder

Der Autor "Rainer Rother"
Rainer Rother: Filmwissenschaftler. Seit 2006 Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin, und Leiter der filmhistorischen Sektion der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Studium der Germanistik und Geschichte in Hannover mit anschließender Promotion. Von 1991 bis 2006 Leiter des Zeughauskinos des Deutschen Historischen Museums, Berlin. Kurator von Ausstellungen und Filmreihen, darunter „Die Ufa 1917–1945. Das deutsche Bildimperium“ (1992/93) und „Geschichtsort Olympiagelände 1909 – 1936 – 2006“ (2006). Seit 2001 Mitglied der Auswahlkommission für den Wettbewerb der Berlinale. Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zu Themen der Film- und Mediengeschichte, darunter Deutschland 1966 (hg. mit Connie Betz und Julia Pattis, 2016), Die Ufa – Geschichte einer Marke (hg. mit Peter Mänz und Klaudia Wick, 2017) und Weimarer Kino – neu gesehen (hg. mit Karin Herbst-Meßlinger und Annika Schaefer, 2018.

Im Anschluss an die Buchpräsentation zeigen wir den Vorbehaltsfilm STUKAS, einen von der Luftwaffe geförderten Kriegspropagandafilm von Karl Ritter.
Der Film spielt 1940 im Zweiten Weltkrieg während eines Angriffs der deutschen Luftwaffe auf Frankreich und zeigt die Piloten der deutschen Sturzkampfflugzeuge, kurz Stukas. Die deutschen Flieger werden als furchtlose und zielstrebige Übermacht inszeniert, während die französischen Soldaten kampflos und verängstig aufgeben. Die Gefallenen auf deutscher Seite werden geehrt, von den Franzosen Gefangengenommene kehren unversehrt ins Lager zurück und können dabei noch eine französische Kompanie bezwingen. Selbst die verletzten Soldaten wollen nach ihrer Genesung sofort zurück zu ihrer Mannschaft und freuen sich auf den nächsten Einsatz in England.

STUKAS ist ein kriegsverherrlichender Propagandafilm der Nationalsozialisten und eine Lobeshymne auf die Sturzkampfbomber. Der Film verwendet teilweise dokumentarische Luftaufnahmen und zeigt verschiedene Einsatzmöglichkeiten des Sturzkampffliegers Ju 87 in spektakulären Bildern. Die Luftwaffe führte den Film vornehmlich ihren Soldaten vor und wollte damit ihre Kampfmoral stärken. STUKAS propagiert die Liebe zum und den Spaß am Krieg, die Kameradschaft und den Opfertod für das Vaterland.

Von den Alliierten wurde der Film 1945 als Verbotsfilm klassifiziert. Seit 1966 befinden sich die ehemaligen Verbotsfilme im Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und werden unter Vorbehalt in öffentlichen Aufführungen zugänglich gemacht.
Darunter fallen die Propagandafilme aus der Zeit des Nationalsozialismus, deren Inhalt kriegsverherrlichend, rassistisch, antisemitisch und/oder volksverhetzend ist und deshalb auf Beschluss des Stiftungs-Kuratoriums nicht für den allgemeinen Vertrieb freigegeben werden.
Diese Vorbehaltsfilme stehen jederzeit in den Räumen der Stiftung selbst für schulische, wissenschaftliche und dokumentarische Zwecke zur Sichtung zur Verfügung. Die vielfältigen und jederzeit möglichen bundesweiten öffentlichen Aufführungen in Kinos, Universitäten, Schulen etc. sind eingebunden in einen einführenden Vortrag und eine anschließende Diskussion.

Wir bitten um Verständnis dafür, dass zu spät kommende Besucherinnen und Besucher nach 19.30 Uhr nicht mehr eingelassen werden können.

Foto oben: Quelle Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Mi 30.10. 19.30
Film trifft Buch
Zeitbilder. Filme des Nationalsozialismus

Die Publikation „Zeitbilder. Filme des Nationalsozialismus“ wird im Rahmen eines Gesprächs zwischen dem Autor Rainer Rother (Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin) und Ernst Szebedits (Vorstand Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) vorgestellt.

STUKAS
Regie: Karl Ritter, DE 1941, 78 min, 35mm, mit Carl Raddatz, Albert Hehn, Hannes Stelzer

Sondereintritt: 8€/7€ ermäßigt, Teilnahme ab 14 Jahren

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