Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die Gefangenen des Vernichtungslagers Auschwitz. Seit 1996 ist der Jahrestag offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Auch im Jahr 2026 erinnern engagierte Wiesbadener Institutionen an die Opfer des Nationalsozialismus. Rund um den internationalen Gedenktag 27. Januar bietet die gemeinsame Reihe viele interessante Veranstaltungen, bei der sich die Murnau-Stiftung mit einem Filmprogramm beteiligt.
In Kooperation mit dem Aktiven Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden e.V. und dem frauen museum wiesbaden präsentieren wir am 21. Januar den Film JÜDISCHER ALLTAG UNTER DEM HAKENKREUZ. Die in einem Dokumentarfilm verarbeitete Lesung der Tagebucheinträge von Gerda M. Meyer (1910-2009) verdeutlicht eindrucksvoll, wie sich das Leben einer vom NS-Regime als jüdischer „Mischling“ abgestempelten jungen Frau veränderte. Adriane Feustel, Leiterin des Alice Salomon Archivs Berlin, führt in den Film ein.
Gemeinsam mit dem Kulturamt zeigen wir am 23. Januar dem Dokumentarfilm WELTKARRIERE EINER LÜGE: DIE PROTOKOLLE DER WEISEN VON ZION als Wiesbadener Erstaufführung. Die obskure Schrift aus dem zaristischen Russland prägt bis heute den modernen Antisemitismus. Der Regisseur Felix Moeller beleuchtet in seinem neuen Film die Wirkungsgeschichte einer der gefährlichsten Propagandalügen aller Zeiten. Bitte beachten Sie: Das Gespräch mit dem Regisseur muss leider ausfallen. Wir arbeiten aktuell an einer Alternative z.B. einem kurzen Vortrag oder einer Gesprächsrunde und verkündigen dies zeitnah.
Auch Ludwig Berger (1892-1969) musste vor dem Terror der Nationalsozialisten ins Ausland fliehen und überlebte dort unter falschem Namen. Am 14. Januar widmen wir dem Regisseur und Drehbuchautor einen Abend mit zwei digital restaurierten Filmen aus dem Bestand der Murnau-Stiftung. Zum ersten Mal in Wiesbaden ist Bergers stilprägender Stummfilm EIN WALZERTRAUM mit der neuen Musik von Diego Ramos Rodríguez zu sehen, die sich in der Klangwelt von Oscar Straus und Johann Strauss bewegt und eine Kombination von Neukomposition und Zitaten, sowie von traditionellen und zeitgenössischen Techniken der Filmmusik ist.
Im Februar zeigen wir den Dokumentarfilm DAS UNGESAGTE in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde und dem Kulturamt Wiesbaden als Wiesbadener Erstaufführung. Die meisten Deutschen, die damals für das NS-Regime waren, haben nach 1945 nie wieder über diese Zeit gesprochen. In fast allen deutschen Familien war das Thema tabu. Der Film wählt einen psychologischen Ansatz, um herauszufinden, was diese Menschen damals genau dachten und fühlten - und wie sie heute ihre Beteiligung bzw. Involviertheit in das NS-Regime beurteilen.
Bild: WELTKARRIERE EINER LÜGE © Blueprint Film