30.11.2025 - Im Auftrag von ZDF/ARTE entstand die neue sinfonische Filmmusik von Diego Ramos Rodríguez zu EIN WALZERTRAUM, die am 5. Dezember 2025 zusammen mit der aktuellen Restaurierung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung im Staatstheater Mainz unter dem Titel „Sinfoniekonzert ›Und ... Action‹ – Ein Walzertraum (1925)“ ihre Premiere erlebt. Eine weitere Vorstellung in gleichem Rahmen ist am 6. Dezember 2025, eine Ausstrahlung auf ARTE für den 15. Dezember 2025 vorgesehen.
Die neue Musik bewegt sich in der Klangwelt von Oscar Straus und Johann Strauss und vereint Neukomposition und Zitate ebenso wie traditionelle Techniken des Stummfilmkinos mit Elementen zeitgenössischer Filmmusik.
Der Film ist zugleich ein spannendes Zeitdokument der jüdisch geprägten Film- und Musikszene jener Epoche.
EIN WALZERTRAUM, D 1925, Regie Ludwig Berger
Synopsis
Prinzessin Alix von Flausenthurn soll auf Wunsch ihres Vaters eine standesgemäße Ehe mit dem älteren Prinzen Peter Ferdinand schließen. Alix jedoch findet deutlich mehr Gefallen am attraktiven Wiener Adjutanten Nikolaus Graf Preyn, kurz Nik. Nach einem weinseligen Kuss von ihm ist Alix über beide Ohren verliebt - Nik jedoch denkt so gar nicht ans Heiraten, vielmehr schätzt er seine Ungebundenheit. Doch Alix setzt alles daran, ihn für sich zu gewinnen und nimmt Unterricht bei der schönen Geigerin Franzi, die aus der steifen Preußin eine waschechte Wienerin machen soll. Zu dumm nur, dass ausgerechnet Franzi eine der Gespielinnen von Nik ist...
Hintergrund
Regisseur Ludwig Berger wurde 1892 in Mainz als Ludwig Gottfried Heinrich Bamberger geboren. Er arbeitete als Theater– und Filmregisseur. Bis 1929 gestaltete sein Bruder Rudolf Bamberger die Bauten fast aller seine Kinofilme und viele Bühnenbilder. Um 1924/25 gab Produzent Erich Pommer Berger den Auftrag, Oscar Straus‘ Operette Ein Walzertraum zu verfilmen. Berger lehnte zunächst ab – wie könne er einen Walzer als Stummfilm verfilmen? – lies sich dann aber doch hinreißen und verhandelte mit den beiden Drehbuchautoren Robert Liebmann und Norbert Falk eine glaubhafte Geschichte und versetzte die Handlung nach Wien. Aus der seichten Operettenhandlung sollte ein ironisch gebrochenes Märchen im Stile der deutschen Romantik entstehen. Im Sommer 1925 begannen die Dreharbeiten in Babelsberg, am 18.12.1925 fand die Premiere statt. EIN WALZERTRAUM geriet zum absoluten Kassenerfolg und zog eine ganze Welle weiterer Operettenfilme nach sich. Ferner erschloss er der Ufa als Exportschlager neue internationale Märkte. Die Brüder Bamberger wurden in die USA eingeladen, wo Berger allerdings nie recht Fuß fassen konnte. Mit der Machtübernahme der Nazis wurde es für ihn aufgrund seiner jüdischen Herkunft zu gefährlich in Deutschland, 1935 emigrierte er. 1947 kehrte Berger zurück nach Deutschland und lebte zurückgezogen in Schlangenbad. Sein Bruder hingegen wurde in Auschwitz ermordet.
Der Überlieferung zufolge waren die Dreharbeiten für die Darsteller:innen unter Bergers kritischer Regie äußerst mühsam. Szenen mussten unzählige Male wiederholt werden, bis die von Berger gewünschte Leichtigkeit auf Celluloid gebannt war. Mady Christians, Xenia Desni und Willy Fritsch bildeten die Riege der Hauptdarsteller, Julius Falkenstein und Jakob Tiedke traten in wichtigen Nebenrollen auf. Der Erfolg des Films machte auch sie international bekannt.
Ähnlich wie Ernst Lubitsch spielte auch Ludwig Berger in EIN WALZERTRAUM mit traditionellen Geschlechterrollen. Die Frauen wählen sich ihre jeweiligen männlichen Partner in aktiver, mitunter recht forscher Weise, statt sich auf die patriarchalen Konventionen der Balzrituale und väterlichen Eheanbahnung zu verlassen. Mit subtilem Humor macht Berger sich zudem über die deutsche Kleinstaaterei und die habsburgische Großspurigkeit lustig.