Direkt zum Inhalt
Film

IN JENEN TAGEN *

Neben Wolfgang Staudtes DIE MÖRDER SIND UNTER UNS war Helmut Käutners IN JENEN TAGEN wegweisend für die sogenannten Trümmerfilme, die in den deutschen Besatzungszonen zwischen 1946 und 1949 entstanden. Die Filme handelten vom Alltag im weitgehend zerstörten Nachkriegsdeutschland und reflektierten die jüngste Vergangenheit des NS-Staats. Als Kulisse dienten die Ruinen deutscher Städte, was dem Filmen ihren authentischen Anstrich gab und ihnen den Namen verlieh. Ursprünglich ein Spottname des Kinopublikums, wandelte sich die Bezeichnung mit der Zeit zu einem seriösen filmwissenschaftlichen Begriff. Diese Phase der Vergangenheitsbewältigung währte nicht lange im deutschen Film und wurde in den 1950er Jahren, vor allem in Westdeutschland, wieder vorwiegend durch Unterhaltungsgenres wie Heimat- und Schlagerfilme sowie Gesellschaftskomödien ersetzt.

Im Jahr 1945 erzählt ein altes Auto seine Geschichte und die seiner wechselnden Besitzer, die durch rassische und politische Verfolgung, im Widerstand oder durch das Kriegsgeschehen der Willkür des Nazi-Regimes ausgesetzt waren. Der Episodenfilm IN JENEN TAGEN geht nicht der Schuldfrage nach, sondern will zeigen, dass es auch gute Menschen zu dieser Zeit gab. Dadurch besitzt er eine optimistischere Grundstimmung als andere Trümmerfilme.

„Käutners Versuch, zur Stunde null eine Bilanz positiven menschlichen Verhaltens während des Dritten Reichs zu ziehen. Ein thematisch wie (film-)historisch wichtiger Film, der in knapp-präziser Charakterisierung und geschickter Aufbereitung der Zeitatmosphäre die Frage stellt, was es heißt, ‚Mensch‘ zu sein.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mi 22.6.16 18.00 Uhr
So 26.6.16 15.30 Uhr
50 Jahre Murnau-Stiftung: Gegenwart und Film
IN JENEN TAGEN
Regie: Helmut Käutner, DE 1947, 102 min, 35mm, FSK: ab 0, mit Werner Hinz, Winnie Markus, Franz Schafheitlin

Einführung: Filmwissenschaftlerin Marie Dudzik (22.6.)


« Zurück