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DIE LETZTE KOMPAGNIE (DF)

Premiere der digital-restaurierten Fassung der Murnau-Stiftung: 1806 sollen zwölf Soldaten und ihr Hauptmann eine Mühle halten, um den Rückzug der vor Napoleon fliehenden preußischen Armee über die Saale zu decken. Der Müller und seine Frau haben die Flucht ergriffen, die Tochter Dore ist zurückgekehrt und lässt sich nicht bewegen die Mühle zu verlassen, weil sie sich in den Hauptmann verliebt hat. Ein harter Kampf um die Mühle beginnt…

Der Preußen-Film DIE LETZTE KOMPAGNIE vereint zwei große Namen hinter der Kamera. Regisseur und Drehbuchautor Kurt Bernhardt inszenierte mit DIE LETZTE KOMPAGNIE (1929/30) einen der ersten deutschen Tonfilme überhaupt. Produzent war der Filmmogul Joe May. Der Regisseur, Produzent, Autor und Atelierbetreiber agierte stets am Puls der Zeit und war in vielerlei Hinsicht wegweisend für den deutschen Film der Weimarer Republik. DIE LETZTE KOMPAGNIE ist ein frühes Experiment der Filmsynchronisierung. Statt auf Sprachversionen setzte May für den internationalen Mark auf ein von ihm geschütztes Verfahren zur englischen Synchronisierung.

Kurt Bernhardts deutsches Filmschaffen ist geprägt von widersprüchlich anmutenden Inhalten. Bernhard sah sich selbst als Intellektueller und Künstler, der für die KPD-nahe Produktionsfirma Prometheus Film inszenierte. Sein erster Spielfilm NAMENLOSE HELDEN (1924) hatte eindeutig Antikriegstendenzen, wohingegen er mit DIE LETZTE KOMPAGNIE seinen einzigen Film für die Ufa drehte, die seit 1927/28 dem Konzern des deutschnationalen Alfred Hugenberg angehörte. Unverkennbar ist die Tendenz des Films, soldatischen Gehorsam bis in den Tod zu heroisieren. Entgegen der „Erbfeind-Ideologie“ der Zeit verteufele das Drehbuch die Franzosen allerdings nicht, sondern stelle sie als achtbaren, soldatischem Ehrencodex verpflichtetem Gegner dar. In erster Linie diente der Filme wohl der dramaturgischen Zuspitzung und ästhetischen Glorifizierung sinnlosen Heldentodes und war damit ganz auf Hugenbergs Linie. Trotz des kriegsverherrlichenden Inhalts war sich die Filmkritik über die herausragende ästhetisch-technische Umsetzung von DIE LETZTE KOMPAGNIE einig.

In den letzten drei Jahren der Weimarer Republik wurden zudem nicht weniger als acht Filme über die Befreiungskriege gegen Napoleon gedreht. Gleichzeitig wurde mit DAS FLÖTENKONZERT VON SANSSOUCI (1930) auch die Fridericus-Reihe wieder aufgenommen. Nicht selten waren diese Filme von Geschichtsrevisionismus und Militarismus geprägt.

Bild Quelle: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

In memoriam Kurt Bernhardt
DIE LETZTE KOMPAGNIE
Regie: Kurt Bernhardt, DE 1930, 77 min, DCP, DF oder EF, FSK: ungeprüft, mit Conrad Veidt, Karin Evans, Erwin Kalser
Einführung am 11.2.: Filmrestaurator Torgil Trumpler

Hinweis zur Sprachfassung: Die englische Synchronfassung (EF) ist vollständig auf Englisch und hat keine deutschen Untertitel. 


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