Welturaufführung der digitalen Restaurierung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung: DIE ANDERE erzählt die Geschichte eines folgenschweren Rollentauschs. Die junge Gesellschafterin Georgette begleitet ihre Herrin, die Schauspielerin Blanche Terbrook, auf eine Erholungsreise nach Nizza. Als die Schauspielerin unerwartet stirbt, schlüpft Georgette, aus bester Familie, aber mittellos, in ihre Rolle. Eine Zeitlang gelingt es Georgette, das Hotelpersonal zu täuschen und sie wird zur Sensation des Ortes. Als allerdings deren brutaler Ehemann auftaucht, gerät ihr Lügengebäude ins Wanken…
Gerhard Lamprecht ist nicht nur als Regisseur und Drehbuchautor bekannt, sondern auch als Filmhistoriker und Gründer der Deutschen Kinemathek in Berlin. Zwar war Lamprecht kein filmästhetisch innovativer Filmemacher wie etwa Fritz Lang, an seinen Produktionen lässt sich aber wie an kaum einem anderen filmischen Werk Alltagsgeschichte und Zeitgeschehen ablesen.
DIE ANDERE ist eine interessante Mischung von Noir, Roadmovie und Identitätsdiebstahl. Lamprechts Stummfilm wurde im Juni 1924 in Rotterdam, Southampton, Tanger, Marseille, Nizza und an der französischen Riviera gedreht und besticht mit zahlreichen Außenaufnahmen. Das Drehbuch stammt von Fanny Carlsen und Iwan Smith. Kameramann war der renommierte Carl Hoffmann, der zu dieser Zeit vor allem durch seine regelmäßige Zusammenarbeit mit Fritz Lang bekannt war.
Pianist Uwe Oberg:
Uwe Oberg spielt regelmäßig Musik für Stummfilme im Murnau-Filmtheater, in der Caligari FilmBühne und dem Kino des DFFs, aber auch deutschlandweit und bei internationalen Filmfestivals. Seine Musik ist sowohl komponiert wie auch improvisiert, basierend auf Jazz und anderer zeitgenössischer Musik. Er gilt als einer der herausragenden deutschen Stummfilmmusiker. Obergs Musik ist immer mehr als Illustration, seine Performances sind einzigartig. Oft begibt er sich in außergewöhnliche Klanglandschaften, verwendet Live-Elektronik, taucht die Filme in neue Sounds und holt sie so ins Heute. 1962 in Offenbach geboren, begann Uwe Oberg mit sieben Jahren Klavier zu spielen, ging durch populäre Musikstile und landete in den frühen 1980er Jahren beim Jazz. Seit 1986 ist der Autodidakt Mitglied der KOOPERATIVE NEW JAZZ / art.ist Wiesbaden. Mit seinem einzigartigen und unverkennbaren Stil spielt Uwe Oberg an der Schnittstelle zwischen Jazz und neuer improvisierter Musik. Seit den 1980er Jahren ist er dort in zahlreichen Kontexten aktiv: Er spannt den Bogen vom Inside-Piano zu eigenen Kompositionen und der Musik von Monk. Seit 1990 arbeitet Uwe Oberg als Pianist. 2007 erhielt er den hessischen Jazzpreis. Weitere Informationen hier.
Bearbeitung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung:
Die zeitgenössische Überlieferung besteht ausschließlich aus einem unvollständigen Originalnegativ aus dem ehemaligen Bestand des Staatlichen Filmarchivs der DDR. Das Negativ wird heute im Bundesarchiv verwahrt, wo es bereits 2012 auf Grundlage der zeitgenössischen Zulassungskarte geschnitten und teilweise vervollständigt wurde. Für die digitale Restaurierung der Murnau-Stiftung diente 2025 das überarbeitete Negativ als Ausgangsmaterial. Dabei wurde der im Bundesarchiv festgelegte Schnitt beibehalten; die technische Bearbeitung fand bei Éclair Classics in Paris statt.
Die überlieferte Zulassungskarte aus dem Bestand des Bundesarchivs und ein zeitgenössischer Zeitschriftenartikel von "Die Filmwoche" aus dem Textarchiv des DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum, dienten als Orientierung, um die circa 10-minütige Fehlstelle nachzuvollziehen. Der Artikel wird in der digitalen Filmfassung an der betroffenen Stelle sowohl transkribiert als auch visuell wiedergegeben. Für die Farbrekonstruktion dienten filmische Quellen desselben Regisseurs aus der Deutschen Kinemathek und aus dem Filmarchiv Austria.
Mit freundlicher Unterstützung von Hessen Film & Medien.
Bild: Quelle - Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Stummfilmerbe – neu aufgelegt / Pionierinnen des Kinos
DIE ANDERE
Regie: Gerhard Lamprecht, DE 1924, 75 min, DCP, DF, FSK: ungeprüft mit Fritz Alberti, Xenia Desni, Elsie Fuller
Live-Musik: Uwe Oberg am E-Piano, Einführung: Restauratorin Miranda Reason, Eintritt: 12€/11€ ermäßigt