Zwischen Verantwortung und Haltung
Wo verläuft heute die Grenze zwischen journalistischer Verantwortung und aktivistischer Haltung? Und kann Neutralität in Zeiten multipler Krisen überhaupt noch ein glaubwürdiger Maßstab sein? Diesen Fragen widmet sich die NATOURALE Naturfilmnacht an der Schnittstelle von Journalismus, Dokumentarfilm und politischem Engagement.
Filme von Klaus Sparwasser
Gast des Abends ist der Filmemacher Klaus Sparwasser, dessen Arbeiten sich immer wieder mit globalen Umwelt , Gesellschafts- und Machtfragen auseinandersetzen. Eröffnet wird die Veranstaltung mit einem Zusammenschnitt aus seinen prägendsten Filmarbeiten, der Einblicke in Stil, Themen und Haltung seines filmischen Schaffens gibt. Hauptfilm ist in dieser Naturfilmnacht sein preisgekrönter Dokumentarfilm „System Change“.
Der Film: SYSTEM CHANGE
Im Zentrum der Dokumentation steht ein Konflikt: Zweitausend Polizisten gegen zweihundert Baumbesetzer in einem uralten Wald mitten in Deutschland, der einer Autobahn weichen soll. Seit vierzig Jahren dauert das Ringen gegen den Bau dieser Autobahn auf politischer und rechtlicher Ebene an – doch nun hat der Staat im Auftrag der Bundesregierung entschieden, das Projekt durchzusetzen, gegen jeden Widerstand. Das Drama um die Räumung des Dannenröder Waldes bildet den roten Faden eines Films über die enttäuschten Hoffnungen einer jungen Generation auf eine bessere Zukunft. „System Change“ erzählt von wachsender Wut, von politischer Ignoranz angesichts der größten Krise, die je über die Menschheit hereingebrochen ist, und von der scheinbar unerschütterlichen Macht ökonomischer Interessen gegenüber dem erklärten Ziel einer nachhaltigen Zukunft. Gleichzeitig zeigt der Film, dass der Widerstand weitergeht – gegen Naturzerstörung, eine fossile Industrie und die fortgesetzte Ausbeutung unseres Planeten. Die Dokumentation versteht sich dabei nicht nur als Analyse, sondern auch als bewusst positionierter Beitrag zur öffentlichen Debatte.
Zum Trailer geht's hier.
Diskussion und Einordnung
Im anschließenden Gespräch geht es um die Rolle von Filmschaffenden und Journalisten zwischen Beobachtung und Einmischung: Darf Journalismus Haltung zeigen? Wo beginnt Aktivismus – und wo liegt seine Legitimität? Welche Verantwortung tragen Medien angesichts ökologischer und gesellschaftlicher Kipppunkte?
Moderiert wird diese Naturfilmnacht von Volker Angres, dem ehemaligen ZDF Umweltjournalisten, der über Jahrzehnte hinweg zentrale Umweltdebatten im deutschen Fernsehen geprägt hat. Mit seiner journalistischen Erfahrung sorgt er für Einordnung, kritische Nachfragen und eine offene Diskussion mit Publikum und Gästen.
Ein Abend für alle, die sich für Dokumentarfilm, Medienethik und die Zukunft des Journalismus interessieren – und für jene, die wissen wollen, wie viel Haltung unsere Öffentlichkeit heute braucht.
Bild © Klaus Sparwasser
NATOURALE Naturfilmnacht
Der schmale Grat – Filmschaffende und Aktivismus
SYSTEM CHANGE – A STORY OF GROWING RESISTANCE
Regie: Klaus Sparwasser, DE 2023, 93 min, digital, DF
Gespräch mit dem Regisseur Klaus Sparwasser, Moderation: Volker Angres, Eintritt: 12€