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Im Mittelpunkt der Reihe stehen das Motiv der Heimkehr sowie der Heimat-Begriff und ihre filmische Bearbeitung mit besonderem Schwerpunkt auf die Spielfilme aus der Zeit des Nationalsozialismus.  

Mit dem Begriff der Heimkehr assoziiert man häufig die sogenannten Heimkehrer und hier insbesondere die zurückgekehrten Kriegsgefangenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings beschäftigen sich bereits die Filmemacher der Stummfilmzeit mit der Figur des aus dem Krieg zurückkehrenden Soldaten und dem gesellschaftlichen Umgang mit diesen, häufig traumatisierten Männern. Joe May drehte mit HEIMKEHR (1928) eine Dreiecksgeschichte zwischen zwei Soldaten und einer Frau und auch Robert Wiene verarbeitete in DAS CABINET DES DR. CALIGARI die Traumata des Ersten Weltkrieges.

In MENSCH OHNE NAMEN (1932) spielt Werner Krauß einen Soldaten, der während des Krieges sein Gedächtnis verliert und zurück in der Heimat nichts mehr so vorfindet, wie es einst war. Bei diesem Tonfilm führte Gustav Ucicky Regie, der kein Jahrzehnt später den anti-polnischen Propagandafilm HEIMKEHR (1941) drehte und mit diesem perfiden Machwerk die Nationalsozialisten zwei Jahre nach Kriegsbeginn darin unterstützte, den Überfall auf Polen zu rechtfertigen. Der völkische Heimat-Begriff war ein populäres Motiv des nationalsozialistischen Spielfilms. In Abgrenzung zu allem Fremden, Städtischen sowie Andersartigen wurde er in den Dienst der Blut- und Boden-Ideologie gestellt.

Die Heimat im Film des „Dritten Reichs“ ist häufig der zentrale Handlungs- oder Sehnsuchtsort der Geschichte oder es stehen Protagonisten im Mittelpunkt, die in ihre Heimat zurückkehren und dadurch alte Konflikte erneut ausbrechen. Am Ende bewirkt die Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie eben diese Heimat, Familie und Ehe sowie die Bekräftigung patriarchalischer Strukturen die ersehnte Versöhnung. Im Juni zeigen wir in diesem Zusammenhang das Gesellschaftsdrama STÜTZEN DER GESELLSCHAFT von Regisseur Detlef Sierck und das Zarah Leander-Melodram HEIMAT.

Im Juli zeigen wir den letzten vollendeten Spielfilm des NS-Film-Stars Emil Jannings ALTES HERZ WIRD WIEDER JUNG. In dieser vermeintlich unpolitischen Komödie um eine Familienzusammenführung offenbaren sich bei genauerer Betrachtung Bezüge zur damaligen nationalsozialistischen Rassenlehre und –politik. Schon die Entscheidung für die Suche nach dem verschollenen Großvater entwickelt sich aufgrund von „Abstammungssorgen“ – damit wird deutlich auf den so genannten „Arier-Nachweis“ angespielt, der seit März 1933 für Berufsbeamte, aber auch für Arbeiter, Angestellte im öffentlichen Dienst, Juristen, Mediziner sowie Schüler der höheren Schulen zur Bedingung geworden war.

Foto oben: HEIMAT - Quelle Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

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