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Film

Feind hört mit! Der Spionagefilm im NS-Staat

„Feind hört mit!“ war im NS-Staat ab September 1939 bis Ende des Zweiten Weltkrieges eine innenpolitische Kampagne zur Abwehr von Spionage und Sabotage sowie psychologische Kriegsführung gegen die Kommunikation in der Bevölkerung. Die Parole war aus dem Ersten Weltkrieg übernommen worden und 1930 veröffentlichte Hans Henning Grote den Sammelband „Vorsicht! Feind hört mit! Eine Geschichte der Weltkriegs- und Nachkriegsspionage“.

Die NS-Propaganda suggerierte eine latente Bedrohungssituation und bot der Bevölkerung vermeintliche Lösungen im Umgang damit an. Die Kampagne wurde über eine Plakatreihe verbreitet, aber auch über Printmedien wie die antisemitische Wochenzeitung Der Stürmer, über Kurzfilme und Wochenschauen, die als Vorfilm in Kinos gezeigt wurden. Zudem wurden einige wenige abendfüllende Spionagefilme gedreht – einer der ersten bezieht sich mit seinem Titel ACHTUNG! FEIND HÖRT MIT! (Regie: Arthur Maria Rabenalt, 1940) direkt auf die Kampagne.

Im November zeigen wir den Kriminalfilm VERRÄTER. Karl Ritters NS-Propagandafilm aus dem Jahr 1936 sollte zur „Volksaufklärung“ über die Gefahren der militärischen Spionage beitragen und wurde mit Unterstützung der Wehrmacht produziert.

Neben diesen „Zeitfilmen“ wurde das Genre des Spionagefilms aber auch schon drei Jahre zuvor aufgegriffen. Im Jahr 1933 drehte Gerhard Lamprecht von Mai bis Juni 1933 im faschistischen Italien EIN GEWISSER HERR GRAN. Der in Venedig und Rom spielende James-Bond-Vorläufer mit Hans Albers in der Titelrolle unterscheidet sich schon darin, dass die Geschichte von einem deutschen Spion im Ausland und nicht umgekehrt erzählt. Die Rolle des weltmännischen Draufgängers ist Albers wie auf den Leib geschnitten. Gerhard Lamprechts Agentenfilm ist laut Georg Seeßlen „einer der letzten großen Kino-Träume von einer offenen, suggestiven und lustvoll chaotischen Welt, in der sich der Agentenheld ganz sicher nicht umsonst zunächst als Artist und Taschenspieler zu erkennen gibt. Die Welt als Abenteuerspielplatz – von dieser Idee verabschiedet sich das deutsche Kino dann sehr rasch. Seine Räume werden eng, sein Glück reduzierter, seine Feindbilder perfider. Damit soll nun nicht gesagt sein, dass EIN GEWISSER HERR GRAN ein Akt der cineastischen Subversion oder gar des Widerstandes gewesen wäre; Lamprechts folgende Filme lassen diesen Schluss kaum zu. Er erscheint in seiner Unbekümmertheit vielmehr wie ein letztes leichtes Durchatmen […].“

Wir zeigen EIN GEWISSER HERR GRAN am 11. Dezember mit Einführung von Dr. Manfred Kögel.

Foto oben: Quelle Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

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