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Film

In diesem Film kommt Amor auf vier Pfoten daher. Storch ist ein kleiner Foxterrier, der seinem Frauchen Lu dabei hilft, den passenden Mann zu finden. Die Fotografin hat ihrem Storch beigebracht, in fremde Männer Autos zu springen. Das Halsband verrät dann diskret Lus Adresse. Der Konsul fällt ebenso herein wie der Geheimrat, nur dessen Neffe interessiert sich für eine ganze andere Frau. Doch auch dabei ist Storch eine echte Hilfe…

Für die beiden Regisseure des Films, Kurt Gerron und Erich von Neusser, entwickelte sich das Leben in zwei vollkommen unterschiedliche Richtungen. Während die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 für den Österreicher Erich von Neusser einen großen Karriereschub bedeutete, war ein Leben in Deutschland für den jüdischen Regisseur Kurt Gerron zur Unmöglichkeit geworden.

Als frühzeitiger Parteigänger der NSDAP sorgte der Österreicher Neusser am Ende der Dreharbeiten zu KIND, ICH FREU MICH AUF DEIN KOMMEN (damals noch unter dem Titel AMOR AN DER LEINE) für Gerrons Rausschmiss. Zusammen mit einem anderen Favoriten des NS-Regimes, dem Regisseur Hans Steinhoff, beendete Neusser den Film. Später stieg Neusser zum Ufa-Herstellungsgruppenleiter auf. Nach der Annexion Österreichs durch die Nazis 1938 kehrte Neusser nach Wien zurück und übernahm den Posten des stellvertretenden Produktionschefs der neugegründeten Wien-Film. Für diese Produktionsfirma stellte er sowohl klassische Unterhaltungsfilme als auch beispielsweise Gustav Ucickys expliziten Propagandafilm HEIMKEHR her.

Kurt Gerron befand sich gegen Ende der 1920er Jahre eigentlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er mit seiner Frau Olga und seinen Eltern nach Paris. Im Oktober 1935 zog er über Österreich und Italien weiter nach Amsterdam. Trotz des Einmarschs der deutschen Truppen im Mai 1940 blieb Gerron in Amsterdam und wurde dort Direktor des jüdischen Theaters Joodsche Schouwberg bis das gesamte Ensemble in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Gerron gründete und leitete im KZ ein Häftlingskabarett. Im August 1944 wurde er von Propagandaminister Goebbels gezwungen, den Film THERESIENSTADT. EIN DOKUMENTARFILM AUS DEM JÜDISCHEN SIEDLUNGSGEBIET (besser bekannt unter dem Titel DER FÜHRER SCHENKT DEN JUDEN EINE STADT) zu drehen. Der Pseudo-Dokumentarfilm sollte die Weltöffentlichkeit von der Harmlosigkeit der Ghettos überzeugen und suggeriert unter Mitwirkung bekannter Häftlinge einen angenehmen Alltag mit Unterhaltung und kulturellen Veranstaltungen. Nach Abschluss der Dreharbeiten wurde Gerron mit anderen Beteiligten des Films im Oktober 1944 nach Auschwitz gebracht und ermordet.

So 4.2. 13.30
Mi 14.2. 15.30
115. Geburtstag Grethe Weiser
KIND, ICH FREU‘ MICH AUF DEIN KOMMEN
Regie: Kurt Gerron, Erich von Neusser, DE 1933, 75 min, 35mm, FSK: ungeprüft, mit Magda Schneider, Wolf Albach-Retty, Grethe Weiser

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