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04.03.2022 - NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1922) ist ein prägendes Beispiel für die Kunstfertigkeit F. W. Murnaus, dem es wie keinem anderen Regisseur seiner Zeit gelang, Stilmittel des Expressionismus, der Literatur, des Theaters und der europäischen Malerei filmisch zu vereinen. Die Uraufführung fand am 4. März 1922 in Berlin statt. Auch 100 Jahre danach hat der expressionistische Filmklassiker nichts von seiner Faszination verloren. Der erste abendfüllende Vampirfilm der Geschichte und das einprägsame Aussehen und Spiel des Hauptdarstellers Max Schreck als Graf Orlok waren stilbildend für das Horrorgenre und werden bis heute in der Popkultur zitiert.

Nosferatu

Friedrich Wilhelm Murnau (*28. Dezember 1888 in Bielefeld; †11. März 1931 in Santa Barbara) studierte an der Berliner Max Reinhardt-Schauspielschule, ganz zum Unmut seiner Eltern.Nachdem er im Ersten Weltkrieg gedient hatte, begann er in Berlin Filme zu inszenieren, angefangen mit DER KNABE IN BLAU (1919). Er arbeitete mehrmals mit den gleichen talentierten Fachkräften zusammen, u.a. der Drehbuchautorin Thea von Harbou, den Kameramännern Fritz Arno Wagner, Carl Hoffmann und Karl Freud und den Schauspielern Conrad Veidt und später, Emil Jannings. Mit wenigen Ausnahmen drehte Murnau hauptsächlich Filme dramatischer Natur; in früheren Werken oft auch mit fantastischem Unterton. Seine ausdrucksstarke Licht- und Schattensetzung sowie die bei späteren Filmen revolutionäre Kamera- und Montagearbeit ziehen sich durch seine Werke. DER LETZTE MANN (1924) und FAUST (1926) machten Murnau international bekannt, woraufhin er bald dem Ruf aus Hollywood folgte. Sein erster US-amerikanischer Film SUNRISE (1927) wurde bei den ersten Academy Awards mit drei Oscars ausgezeichnet. Die Premiere seines letzten Films TABU (1931) erlebte Murnau nicht mehr. Am 11. März 1931 starb er an den Folgen eines Autounfalls.

Einen seiner heute noch bekanntesten Filme inszenierte er 1922: NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS. Im expressionistischen Stil gedreht mit Betonung auf Licht und Schatten, ist Graf Orloks dunkle Silhouette an der Wand eines der bekanntesten Bilder der Filmgeschichte. Der Film ist eine Adaption von Bram Stokers 1897 Roman „Dracula“. Um Anschuldigungen einer Copyrightverletzung zu entgehen, wurden sowohl Filmtitel als auch Figurennamen geändert. Dies bewahrte die Berliner Produktionsgesellschaft Prana-Film nicht vor einem Rechtsstreit: Bram Stokers Witwe Florence Stoker verklagte nach Premiere des Films die Produktionsfirma, die im Juni 1922 Konkurs anmelden musste.

Für die 1920er Jahre untypisch, drehte Murnau an Originalschauplätzen in Wismar, Lübeck, Lauenburg, Rostock und im Karpatenschloss Oravsky, auf dem Vratna-Pass, am Fluss Waag und im Tegeler Forst. Die Landschaftsaufnahmen erinnern an Gemälde von Casper David Friedrich und andere deutsche Romantiker. Gleichzeitig ist die Natur auch immer Teil der Handlung wie bereits Lotte Eisner in ihrem Werk „Die damönische Leinwand“ bemerkte. Über den Naturbildern liege, wie Béla Balázs betonte, „die Ahnung des Übernatürlichen“.

Im Auftrag der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hat Luciano Berriatúa den Filmklassiker 2005/2006 aufwendig restauriert. Berndt Heller rekonstruierte die Original-Musik des Films von 1921 nach Hans Erdmann.

Anlässlich der Uraufführung am 4. März 1922 wird Nosferatu das Kinopublikum auch in diesem Jahr wieder weltweit in seinen Bann ziehen.

HIGHLIGHTS

Muffathalle, München
Am Freitag, den 04.03.2022 ist NOSFERATU in der MUFFATHALLE zu sehen, mit neuer Musik von Olav Lervik.


ZDF ARTE
ZDF Arte widmet sich dem Jubiläum mit einer Special Themenwoche „VAMPIRE“, unter anderen mit folgenden Highlights:
 
•    neue Dokumentation „NOSFERATU – ein Film wie ein Vampir“ am Mittwoch, den 09. März 2022 um 22.05 Uhr
•    Friedrich W. Murnau Meisterwerk NOSFERATU mit neuer Musik von Olav Lervik am Mittwoch, 09. März 2022 um 23.25 Uhr.
 
Online in der Mediathek vom 8. März bis 7. April 2022 auf ARTE.TV.


hr-Sendesaal, Frankfurt
Am Donnerstag, den 17.03.2022 ist NOSFERATU mit Live-Musikbegleitung durch das hr-Sinfonieorchester in Frankfurt zu sehen. Unter dem Dirigat von Frank Strobel wird die rekonstruierte originale Begleitmusik des Filmmusik-Pioniers Hans Erdmann, die 1922 bei der Uraufführung in Berlin erklang und lange Zeit als verschollen galt, präsentiert.


Maifestspiele, Wiesbaden
Am 02. Mai 2022 wird NOSFERATU in Kooperation mit den Maifestspielen Wiesbaden und der CALIGARI Filmbühne mit Live-Musik durch das Ensemble L’Arsenale zu sehen sein.

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