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Nach dem 1905 erstmals erschienenen, gleichnamigen Erfolgsroman von Margarete Böhme: Thymian, die Tochter eines Apothekers, wird von einem Freund ihres Vaters, Meinert, verführt, vergewaltigt und nach der Geburt des unehelichen Kindes von ihrer Familie verstoßen. Sie muss ins Heim, in welchem sie unter dem sadistischen Regiment des Vorsteher-Paares leidet. Als Thymian den mittellosen Grafen Osdorff kennenlernt, flüchtet sie mit ihm in die Großstadt und arbeitet dort im Bordell. Eines Tages trifft sie dort auf ihren eigenen Vater, der sich von diesem Schock nicht mehr erholt. Nach seinem Tod steht Thymian plötzlich als vermögende Erbin dar…

Kurt Gerron und Siegfried Arno sind hier als Bordell-Gäste zu sehen. Der dünne Arno und der massige Gerron traten seit Mitte der 1920er in Film und Kabarett häufig gemeinsam auf. Arno war außerdem in Gerrons frühen Kurztonfilmen zu sehen.

Der tragische soziale Abstieg einer jungen Bürgerlichen und eine deutliche Kritik an der Scheinheiligkeit und Perfidie des Bürgertums – nur wenige deutsche Filme der 1920er Jahre waren so stark umstritten und wurden einer so umfassenden Zensur und somit Verstümmelung unterzogen wie Georg Wilhelm Pabsts letzter Stummfilm TAGEBUCH EINER VERLORENEN. Anlässlich einer Pabst-Retrospektive auf der Berlinale 1997 meldete die Cineteca di Bologna den Fund einer Nitrokopie, welche die meisten der bislang verschollenen Szenen aufwies: eine umfangreiche „Gymnastikunterricht“-Sequenz im Bordell, sadistische Szenen im Internat und die letztliche Bestrafung der Aufseher durch aufgebrachte Mädchen. Das Deutsche Filminstitut und die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung übernahmen die komplette Rekonstruktion des Films und im Jahr 2013 ließ die Murnau-Stiftung die Restaurierung hochauflösend digitalisieren.

Bild: Quelle Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

125. Geburtstag Kurt Gerron
TAGEBUCH EINER VERLORENEN
Regie: G. W. Pabst, DE 1929, 113 min, DCP mit eingespielter Musik von Javier Pérez de Azpeitia, FSK: ungeprüft, mit Louise Brooks, Fritz Rasp, Arnold Korff, Kurt Gerron


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