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Film

Kinoseminar Filmpropaganda / 100 Jahre Ufa

Auch vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten herrschte in der Ufa bereits ein deutschnationaler Geist, sodass der Filmkonzern ohne Widerstand für die nationalsozialistische Filmpropaganda instrumentalisiert werden konnte. Zudem wurde Ufa-Chef Alfred Hugenberg gleich nach der nationalsozialistischen Machtergreifung vom 30. Januar 1933 zum Reichswirtschaftsminister ernannt. Gewissermaßen im vorauseilenden Gehorsam beschlossen die Vorstandmitglieder der Ufa bereits am 29. März 1933 zahlreiche jüdische Mitarbeiter zu entlassen.

Neben den übrigen Medien-Unternehmen brachte Joseph Goebbels auch die Ufa unter die Kontrolle seines Propagandaministeriums. Am 18. März 1937 musste der Hugenberg-Konzern seine Ufa-Aktien für 21,25 Millionen Reichsmark an die Cautio Treuhand GmbH verkaufen, eine quasi-staatliche Holdinggesellschaft, die im Auftrag von Goebbels arbeitete. Durch die Verstaatlichung kamen der Ufa allerdings auch zahlreiche protektionistische Maßnahmen zu Gute und so entwickelte sich ein neuer kommerzieller Höhepunkt für die Firma, der auch einen weiteren Ausbau des bereits in der Stummfilmzeit begründeten Starsystems begründete. Am 10. Januar 1942 wurde die Ufa schließlich zum Kern der Ufa-Film GmbH (UFI), in der die gesamte deutsche Filmproduktion zusammengefasst war. Weitere eingegliederte Firmen waren die Bavaria Film, die Berlin-Film, die Terra Film, die Tobis AG, die Prag-Film und die Wien-Film.

Der selbsternannte „Schirmherrn des deutschen Films“ Joseph Goebbels, aber auch der Rest der NS-Führung, verstand den Film von Beginn an als eins der einflussreichsten Medien zur Erziehung der Massen und diese fand sowohl durch explizite Propagandafilme als auch Unterhaltungsfilme statt, die in anderer Form von nationalsozialistischer Ideologie durchsetzt waren. Auch im Namen der Ufa wurden antisemitische Machwerke wie DIE ROTHSCHILDS und propagandistische Unterhaltungsfilme wie WUNSCHKONZERT oder DIE GROSSE LIEBE – die zwei kommerziell erfolgreichsten Filmproduktion der NS-Zeit – produziert.
Die Rolle des Films als Leitmedium im NS-Staat gewann mit dem deutschen Überfall auf Polen 1939 und dem damit beginnenden Zweiten Weltkrieg zusätzlich an Bedeutung. Im Krieg und während des millionenfachen Massenmords in den deutschen Vernichtungslagern lief die deutsche Filmindustrie auf Hochtouren. Noch 1944/45, als Zivilisten zwischen 16 und 60 Jahren den „Volkssturm“ bildeten, wurden ganze Armee-Einheiten als Komparsen für den farbigen, aufwändigen „Durchhaltefilm“ KOLBERG eingesetzt. Der kriegsverherrlichende Spielfilm war nicht nur der teuerste Film der Ufa, sondern der gesamten Filmproduktion des nationalsozialistischen Deutschlands.

Wir zeigen den noch heute unter Vorbehalt stehenden Propagandafilm im Januar mit Filmeinführung und Diskussion von und mit Horst Walther, MA (Institut für Kino und Filmkultur).

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