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Die Machtergreifung der Nationalsozialisten vor 85 Jahren bedeutete eine jähe Zäsur in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens. Auch in der Filmindustrie hielt die nationalsozialistische Filmpolitik unmittelbar Einzug.

Die Reihe Das Jahr 1933 stellt einige Produktionen aus dem Jahr vor und beleuchtet inwiefern diese Filme und die beteiligten Filmschaffenden bereits im ersten Jahr der Machtergreifung von der NS-(Film-)Politik betroffen waren.
Wie einerseits jüdische Filmschaffende von den Filmfirmen entlassen, ihre Namen aus den Stabangaben gelöscht wurden und vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, aber auch Filme der neuen Filmzensur unterworfen wurden, einfach weil sie nicht ins Bild der NS-Ideologie passten. Andererseits gibt es auch Filmbeispiele aus dem Jahr 1933, die zeigen, dass konservative, nationale oder sogar nationalsozialistische Tendenzen bereits in der Weimarer Republik und damit auch in der Filmindustrie verbreitet waren oder auch einige Filmschaffende, trotz oder gerade wegen ihrer „unpolitischen“ Haltung, gerade im Nazi-Kino Karriere machten.

Wir schließen die Filmreihe im Oktober mit dem Spielfilm REIFENDE JUGEND von Carl Froelich ab. Der Film über drei Mädchen, die auf einem Gymnasium als erste Frauen die Abiturprüfung ablegen dürfen, klingt zunächst nach einem für die Zeit emanzipatorischen Thema, steht aber bereits im Dienst der erwünschten Autoritätsbejahung der NS-Ideologie.

Regisseur Carl Froelich trat 1933 in die NSDAP ein und übernahm die Leitung des Gesamtverbandes der Filmherstellung und Filmverwertung. 1939 wurde er zum Präsidenten der Reichsfilmkammer ernannt und behielt dieses Amt bis zum Kriegsende. Zehn seiner Filme wurden vom Alliierten Kontrollrat verboten. Nach seiner Entnazifizierung 1948 durfte er wieder arbeiten und wurde zum Ehrenpräsidenten der SPIO ernannt; daneben war er Ehrenmitglied des Verbandes der Filmschaffenden sowie des Deutschen Bühnen-Clubs. 1953 starb Froelich in Berlin an einer Lungenentzündung.
Schauspieler Heinrich George, der hier in der Rolle des Studiendirektor Brodersen zu sehen ist, wurde nie Mitglied der NSDAP, avancierte allerdings zu einem der populärsten und bestbezahltesten Schauspieler und Theaterintendanten der NS-Zeit. 1933 wurde er zwar kurzfristig vom Spielbetrieb des Staatstheaters ausgeschlossen, arrangierte sich daraufhin allerdings mit den neuen Machtinhabern, obwohl er in den Jahren zuvor stets als Sympathisant der Linken gegolten hatte. Symbolisch kam sein politischer Richtungswechsel in dem nationalsozialistischen Propagandafilm HITLERJUNGE QUEX zum Ausdruck, in dem er bereits 1933 einen zum Nationalsozialismus bekehrten Kommunisten spielte.
Hertha Thiele, die im Film die Abiturientin Elfriede Albing spielt, ließ sich im Gegensatz dazu nicht für die Nazi-Propaganda instrumentalisieren. Während der Dreharbeiten zu REIFENDE JUGEND war sie gerade Mitte Zwanzig und stand am Beginn einer vielversprechenden Filmkarriere. 1931 wurde sie von der Filmregisseurin Leontine Sagan entdeckt und spielte in ihrem Film MÄDCHEN IN UNIFORM neben Dorothea Wieck ihre erste Hauptrolle. Der Film wurde ein großer Erfolg, der Thiele zu Bekanntheit verhalf. Neben ihrer Bühnentätigkeit an verschiedenen Berliner Bühnen spielte sie bis 1934 in etwa elf Filmproduktionen mit, darunter in Slatan Dudows Proletarierfilm KUHLE WAMPE ODER: WEM GEHÖRT DIE WELT?. Ab 1933 weigerte sie sich an nationalsozialistisch gefärbten Filmen mitzuwirken und trennte sich von ihrem Ehemann und Schauspieler Heinz Klingenberg, nachdem er die Hauptrolle in dem Propagandafilm S.A. MANN BRAND übernommen hatte. Sie erhielt keine Filmrollen mehr. Ihre Ehe wurde 1936 geschieden. Im gleichen Jahr wurde Thiele aus der Reichsfilmkammer und der Reichstheaterkammer ausgeschlossen und hatte damit Berufsverbot in Deutschland. Sie emigrierte in die Schweiz und nach Ende des Zweiten Weltkrieges zog sie in die DDR um, konnte aber nie mehr an die Erfolge vom Beginn ihrer Karriere anknüpfen.

Foto oben: Quelle Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

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