Direkt zum Inhalt

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten vor 85 Jahren bedeutete eine jähe Zäsur in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens. Auch in der Filmindustrie hielt die nationalsozialistische Filmpolitik unmittelbar Einzug.

Die Reihe Das Jahr 1933 stellt einige Produktionen aus dem Jahr vor und beleuchtet inwiefern diese Filme und die beteiligten Filmschaffenden bereits im ersten Jahr der Machtergreifung von der NS-(Film-)Politik betroffen waren.
Wie einerseits jüdische Filmschaffende von den Filmfirmen entlassen, ihre Namen aus den Stabangaben gelöscht wurden und vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, aber auch Filme der neuen Filmzensur unterworfen wurden, einfach weil sie nicht ins Bild der NS-Ideologie passten. Andererseits gibt es auch Filmbeispiele aus dem Jahr 1933, die zeigen, dass konservative, nationale oder sogar nationalsozialistische Tendenzen bereits in der Weimarer Republik und damit auch in der Filmindustrie verbreitet waren oder auch einige Filmschaffende, trotz oder gerade wegen ihrer „unpolitischen“ Haltung, gerade im Nazi-Kino Karriere machten.

Nach WALZERKRIEG im Juli präsentieren wir im August mit der Liebeskomödie SAISON IN KAIRO erneut eine Ufa-Produktion mit Willy Fritsch und Renate Müller in den Hauptrollen. Fritsch zählte bereits seit der Stummfilmzeit zu den gefragtesten männlichen Schauspielern und verlor auch unten den Nazis nichts von seiner Popularität. Müller sollte hingegen bald ein tragisches Schicksal ereilen. Am 7. Oktober 1937 verstarb sie unerwartet in einem Berliner Krankenhaus, nachdem sie zuvor aus dem ersten Stockwerk ihrer Villa gestürzt war. Ihr Tod gab Anlass zu vielen Spekulationen. Sicher ist, dass sie sich den Verkupplungsversuchen mit Hitler durch Propagandaminister Goebbels wiedersetzte und ihre künstlerische Arbeit seither systematisch behindert wurde.
Der Regisseur von SAISON IN KAIRO, Reinhold Schünzel, war einer der wenigen jüdischen Filmschaffenden, der nach 1933 mit einer sogenannten „Ausnahmegenehmigung“ weiterhin Filme drehen durfte. Allerdings wurde er in seiner künstlerischen Freiheit immer mehr eingeschränkt und sah sich immer häufiger Diffamierungen ausgesetzt, sodass er im Jahr 1937 in die Vereinigten Staaten emigrierte. Seine Liebeskomödie SAISON IN KAIRO, mit Uraufführung am 20. Juli 1933, war sein erster Film unter der nationalsozialistischen Diktatur. Es wurde zeitgleich auch eine französische Version gedreht, in der Renate Müller, Jakob Tiedtke und Angelo Ferrari ihre Rollen behielten; der restliche Cast wurde durch französische Schauspieler ersetzt. Die beiden Tonfilmschlager „Mir ist so, ich weiß nicht, wie“ und „Saison in Kairo“ wurden von Werner Richard Heymann und Robert Gilbert geschrieben. Der Film entstand zu großen Teilen in Ägypten (an den Drehorten Kairo, Kafr-el-Batan und die Wüste mit den Pyramiden von Gizeh), der Rest wurde in den Filmstudios zu Babelsberg gedreht.

Foto oben: Saison In Kairo -Quelle Deutsches Filminstitut

« Zurück