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Kurt Gerron (*11.5.1897 in Berlin; †28.11.1944) zählte zu den populärsten Unterhaltungskünstlern der Weimarer Republik. Die Rollen des Polizeichefs und des Moritatensängers in der erfolgreichen Uraufführung von Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ 1928 machten ihn über Nacht berühmt. Der vielseitige Schauspieler und Regisseur arbeitete auch für den Film und war auf den großen Berliner Kabarettbühnen zu sehen.

1930 war für Gerron ein äußerst erfolgreiches Jahr als Filmschauspieler: Seine heute wohl bekannteste Rolle ist die des Zauberkünstlers Kiepert in Josef von Sternbergs DER BLAUE ENGEL. Außerdem wirkte in der Filmoperette DIE DREI VON DER TANKSTELLE und der Komödie EINBRECHER mit. 1932 setzte er die Filmkomödie EIN TOLLER EINFALL mit Willy Fritsch in der Hauptrolle um. Gute Kritiken erhielt Gerron auch als Regisseur beliebter Produktionen wie ES WIRD SCHON WIEDER BESSER mit Heinz Rühmann oder DER WEISSE DÄMON (ebenfalls beide 1932) mit Hans Albers.
1933 wurde Gerron während des Drehs zu seiner Regiearbeit KIND, ICH FREU' MICH AUF DEIN KOMMEN durch den regimetreuen Erich von Neusser ersetzt. Dass Hans Steinhoff ebenfalls an der Fertigstellung des Films beteiligt gewesen sein soll, war eine gezielte Falschmeldung der Ufa. Mit seiner Frau Olga und seinen Eltern floh Gerron im gleichen Jahr nach Paris, von da über Österreich und Italien nach Amsterdam. Nach der Besetzung der Niederlande spielte Gerron noch eine Weile an der Hollandsche Schouwburg, die nun „Joodsche Schouwburg“ hieß, bis das gesamte Ensemble in das KZ Theresienstadt deportiert wurde. 1943 wurden Gerron und seine Familie in das niederländische Durchgangslager Westerbork deportiert, Ende Februar 1944 dann ebenfalls nach Theresienstadt. Dort wurde er gezwungen, die Regie des pseudodokumentarischen Films THERESIENSTADT. EIN DOKUMENTARFILM AUS DEM JÜDISCHEN SIEDLUNGSGEBIET (DE 1945) zu übernehmen. Anschließend wurde er zusammen mit einem Großteil der Filmcrew, darunter auch Kinder, nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Anlässlich seines 125. Geburtstages präsentieren wir im Mai seine Regiearbeit EIN TOLLER EINFALL (DE 1932), eine frühe Tonfilmkomödie mit Willy Fritsch, und G. W. Pabsts Sittengemälde TAGEBUCH EINER VERLORENEN (DE 1929), in welchem Gerron zusammen mit Siegfried Arno, einem langjährigen Bühnenkollegen, in einer Nebenrolle zu sehen ist. Im Gegensatz zu Gerron gelang Arno die Flucht vor den Nationalsozialisten über mehrere europäische Länder bis er 1939 schließlich in den USA ankam, wo er als Nebendarsteller Beschäftigung fand, u.a. in Charlie Chaplins DER GROSSE DIKTATOR (US 1940).

Im Juni setzen wir die Reihe mit KIND, ICH FREU' MICH AUF DEIN KOMMEN (DE 1933) fort. Daneben zeigen wir am 8. Juni eine filmische Rarität aus dem Archiv: Kurt Gerrons UFA-KABARETT-PROGRAMM. Seine filmischen Kabarett-Programme waren „Ein Versuch der Ufa die Kleinkunst bis in die entlegenste Städte Deutschlands zu tragen, wo es kein buntes Brettel gibt“. Wir präsentieren den 1. Teil von Gerrons Kleinkunstprogramm für das Kino aus dem Jahr 1931, in welchem er diverse befreundete Kolleg*innen auftreten ließ.

Anlässlich der Wiesbadener Seniorenwoche wird ein weiterer Film mit Kurt Gerron gezeigt: Am 28. Juni präsentieren wir den Stummfilm LIEBE IM RING (DE 1930) mit Live-Musik von Uwe Oberg am E-Piano zum Sondereintritt von 5 €. In dem Sport- und Liebesfilm von Reinhold Schünzel übernimmt Gerron die Rolle des Managers eines aufstrebenden Boxers. Dieser wiederum wird vom Sportler Max Schmeling gespielt – eine seltene Chance den Schwergewichtsweltmeister in einem Kinofilm zu sehen!

Bild: Quelle DFF-Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

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