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Film

125. Geburtstag Hans Heinz Zerlett

Der in Wiesbaden geborene Hans H. Zerlett (*17.8.1892, †6.7.1949 Buchenwald) galt als handwerklich versierter Regisseur und Drehbuchautor von Unterhaltungsfilmen. Zu seinem 125. Geburtstag präsentieren wir fünf Spielfilme aus unserem Bestand, darunter zum ersten Mal im Murnau-Filmtheater SCHUSS UM MITTERNACHT und – als eine der seltenen deutschen Gruselkomödien – SPUK IM SCHLOSS.

Hans H. Zerlett war zunächst als Theaterschauspieler tätig. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat, wurde aber wegen einer Erkrankung vorzeitig aus dem Militärdienst entlassen. Nach dem Krieg wechselte er in das Fach der Dramaturgie und schrieb Revuen und Schlagertexte für das Kabarett.
Unter dem NS-Regime feierte Zerlett 1934 sein Debüt als Filmregisseur mit dem Karl Valentin-Kurzfilm IM SCHALLPLATTENLADEN und der Komödie DA STIMMT WAS NICHT. Einer von Zerletts größten Erfolgen war der Revuefilm ES LEUCHTEN DIE STERNE mit La Jana und vielen weiteren Stars der NS-Unterhaltungsbranche. Er zeichnete allerdings auch für explizite Propagandafilme wie den antisemitischen Musikfilm ROBERT UND BERTRAM und den gegen die sogenannte „Entartete Kunst“ gerichteten Film VENUS VOR GERICHT verantwortlich. Auch Historienfilme gehörten zu seinem Repertoire, darunter die Familientragödie DER KATZENSTEG, aber auch subversivere Filme wie KLEINE RESIDENZ, der verdeckte parodistische Seitenhiebe auf den NS-Kulturbetrieb wagte.

Am 23. Januar 1946 wurde Zerlett durch das sowjetische Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) festgenommen und interniert. Im Gefangenenlager schloss er sich der Kulturgruppe an. Er starb 1949 nach einem erneuten Transport in Buchenwald infolge der Haftbedingungen an Tuberkulose. Im Rahmen eines posthumen Entnazifizierungsverfahrens wird er 1950 trotz seiner Propagandawerke als „nicht belastet“ eingestuft.

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