Film

120. Geburtstag Olga Tschechowa

Olga Tschechowas (*26.4.1897 Aleksandropol, Russisches Kaiserreich, heute Gyumri, Armenien; †9.3.1980 München) Eltern pflegten enge Kontakte zum russischen Zarenhof und bedeutenden russischen Künstlern der Zeit, darunter Schriftsteller Leo Tolstoj sowie Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Diese Verbindungen beeinflussten die junge Tschechowa genauso wie ihre Tante Olga Knipper-Tschechowa, die als Schauspielerin arbeitete und deren Ehemann der Dramatiker Anton Tschechow war.

Nachdem Tschechowa 1917 erste Filmerfahrungen gesammelt hatte, emigrierte sie 1921 nach Deutschland, in das Herkunftsland ihrer Familie. Friedrich Wilhelm Murnau gab ihr die Rolle der edlen Baronin Safterstädt in seinem kriminalistischen Stummfilm SCHLOSS VOGELÖD. Durch ihre extravagante Erscheinung im Film erregte sie großes Aufsehen und galt fortan als grande dame des deutschen Kinos. Bis zu ihrer ersten Tonfilmrolle in Wilhelm Thieles Kassenerfolg DIE DREI VON DER TANKSTELLE war sie bereits zu einem der beliebtesten Stummfilmstars avanciert und das nicht nur in Deutschland. Alfred Hitchcock besetzte Tschechowa 1930 für die Titelrolle in MARY – die deutsche Fassung des gleichzeitig von ihm gedrehten Thrillers MURDER!. Zu ihren Filmpartnern gehörten unter anderen Willy Birgel und Paul Hartmann, aber auch Emil Jannings, neben dem sie in LIEBLING DER GÖTTER zu sehen ist.

Im Dritten Reich trat Tschechowa hauptsächlich in Unterhaltungsfilmen wie GEWITTERFLUG ZU CLAUDIA oder MIT MEINEN AUGEN auf, wirkte jedoch auch in propagandistischen Filmen mit, so beispielsweise an der Seite von Heinrich George in ANDREAS SCHLÜTER. Mehrfach kamen Gerüchte auf, Tschechowa sei während des Krieges als Spionin tätig gewesen – für den KGB oder gar als Doppelagentin für Polen und Adolf Hitler zugleich. Sie dementierte diese Gerüchte ebenso wie jene um ihre angebliche Liebesbeziehung zu Hitler, wohingegen sie ihre vielfältigen freundschaftlichen Verbindungen zu Nazi-Größen freimütig zugab.

Neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit war Tschechowa als eine der ersten Frauen in Deutschland ab den 1930er Jahren auch als Koproduzentin ihrer Filme tätig. Als Regisseurin drehte sie 1929 den Film DER NARR SEINER LIEBE, mit ihrem geschiedenen Mann Michael Tschechow in der Hauptrolle. 1955 zog sie sich fast vollständig aus dem Filmgeschäft zurück. Mit ihrer Enkelin Vera Tschechowa stand sie Anfang der 1970er Jahre für die Fernsehserie DUELL ZU DRITT sowie für die Immenhof-Filme ein letztes Mal vor der Kamera.

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