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Theo Lingen (*10.6.1903 in Hannover, †10.11.1978 in Wien) war ein deutscher Schauspieler, Komiker und Regisseur.
Schon in jungen Jahren wurde ihm, mit Unterstützung von Freunden und der Mutter, der Beruf des Schauspielers nahegelegt. Er besuchte das Königliche Goethegymnasium, verließ dieses aber ohne Abschluss. 1929 kam er nach Berlin, um beim großen Theater zu spielen, und wirkte zum ersten Mal in einem Film mit. Seine Kinokarriere begann genau im Übergang vom Stumm- zum Tonfilm. Nach seinem ersten stummen Kurzspielfilm INS BLAUE HINEIN von Eugen Schüfftan (1929), war er ein Jahr später bereits in vier Tonspielfilmen zu sehen. 1931 stand er mit den Stummfilmstarts Lilian Harvey und Harry Liedtke für NIE WIEDER LIEBE! vor der Kamera. Lingen avancierte schnell zu einem der beliebtesten Nebendarsteller des deutschen Films und wirkte bis Mitte der 1970er Jahre in über 200 Spielfilmen mit.  

In seinen ersten Filmen spricht Lingen wenig und tanzt viel; drückt seine Komik sehr durch seine körperlichen Bewegungen aus, sein Sprachwitz sollte erst später in Erscheinung treten. Und doch blieb ihm sein Slapstick-Humor lange erhalten, den er später in seinen Filmen weiter ausarbeiten sollte.
Darüber hinaus wurde er schnell zum Publikumsliebling, sodass die Nationalsozialisten den nach ihrem diffamierenden Sprachgebrauch „jüdisch versippten“ Lingen weiter Filme drehen ließen. Verheiratet war Lingen mit der Halbjüdin Marianne Zoff, der ersten Ehefrau Bertolt Brechts; sie heirateten 1928. Neben der gemeinsamen Tochter Ursula brachte Zoff auch ihre Tochter Hannah aus erster Ehe mit Brecht in die Familie mit ein.
Er mimte zudem freundliche Schurken in den Kriminalfilmen M (1931) und DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1932/33) von Regisseur Fritz Lang. Er empfand es als Ehre, in dessen Filmen mitzuspielen. Seine bevorzugten Regisseure aber waren E. W. Emo (DIE AUSTERNLILLI, 1937) und Géza von Bolváry (DREIMAL HOCHZEIT), mit denen er bis in die 1950er Jahre zusammenarbeitete.
In Filmen mit Heinz Rühmann war er oft ein wichtiger Nebendarsteller. Seine näselnde Stimme wurde hierbei zu seinem Markenzeichen, ebenso wie seine übertriebenen, marionettenhaften Bewegungen, die er ständig weiterentwickelte.
Ab 1933 übernahm er ausschließlich komische Rollen. Er spezialisierte sich auf penible Charaktere, näselnde Diener, Fabrikanten, Würdenträger, Impressarios, die in aussichtslosen Lagen die Etikette zu bewahren trachten. In 24 gemeinsamen Filmen mit Hans Moser personifizierte Lingen preußische Akkuratesse, gebremst vom Charme des Überforderten. „Die Diener, die er spielt, laufen auf Draht, Marionetten der Höflichkeit und des guten Tones. Er ist der Überkellner, der Überverkäufer, der Überdiener. [...] Ein Bürokrat der komischen Dinge.“ (Film-Kurier, 15.9.1937)
1936 führte er in der vierteiligen „Eulenspiegel“-Kurzfilm-Serie erstmals Regie; zwischen 1939 und 1956 inszenierte er, mitunter nach eigenen Drehbüchern oder Buchvorlagen, 18 Spielfilme, darunter eine beschwingte Verfilmung von Paul Linckes Operette „Frau Luna“ mit Lizzi Waldmüller (1941).
Der privat als ernst, in sich gekehrt und belesen geschilderte Komiker Theo Lingen schrieb ein 1942 erschienenes Lustspiel, das mit ihm selbst in einer Doppelrolle ein Jahr später verfilmt wurde – die Rolle des Kammerdieners JOHANN zählt bis heute zu seinen erfolgreichsten Filmauftritten.
1944 zog Lingen nach Wien und knüpfte Kontakte zur Widerstandsgruppe, der Kontakt brach aber wieder ab. 1945 entstanden unter seiner Regie drei Überläufer-Filme; zwei davon waren GLÜCK MUSS MAN HABEN und PHILINE.
In der Nachkriegszeit besann Lingen sich auf das Fernsehen und moderierte zusammen mit Hans Rosenthal die Fernsehshow „Schlagerrakete“, während sie Witze der damaligen Zeit erzählten und anderes Wissenswertes. Er spielte in zwei Karl May-Verfilmungen mit und gegen Ende seiner Karriere vermehrt nichtkomödiantische, ernstere Rollen.
Der Schauspieler starb am 10. November 1978 an einer Krebserkrankung im Krankenhaus, nachdem er im Oktober des gleichen Jahres auf der Bühne kollabiert war. Seine Familie sorgte für ein Ehrengrab in der Nähe von Werner Kraus. Wegen eines Fehlers, dessen Ursache bis heute nicht geklärt werden konnte, wurde das Todesjahr auf Lingens Grabplatte als 1979 gesetzt, was erst im Jahr 2012 korrigiert wurde.

Zu seinem 115. Geburtstag präsentieren wir sieben Spielfilme von und mit Theo Lingen. Besonders hinweisen möchten wir auf die Vorstellung von PETERSBURGER NÄCHTE, eine musikalische Komödie von E. W. Emo mit Theo Lingen als Darsteller.

Eingeführt wird der Film von unserem ehrenamtlichen Mitarbeiter Dr. Manfred Kögel, der am 27. Juni bereits seine 200. Einführung in Murnau-Filmtheater gibt.

Foto oben: Quelle Deutsches Filminstitut

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