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Film

100 Jahre Ufa

Nachdem die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung im Jahr 2016 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, steht auch in diesem Jahr ein großes Jubiläum an. Im Dezember wird die Universum Film AG, kurz Ufa, 100 Jahre alt. Das ist natürlich auch ein Grund für uns, die Geschichte des legendären Filmkonzerns Revue passieren zu lassen.

Als die Universum Film AG am 18.12.1917 gegründet wurde, ging sie aus der Verbindung von Großkapital und Staat sozusagen als Kriegskind hervor. Doch bereits im Sommer 1918 wurde vom Aufsichtsrat der Ufa die Verlagerung von der propagandistischen auf eine künstlerische Ebene beschlossen und damit der Startschuss für die Aufholjagd des deutschen Kinos von Hollywood gegeben. Regisseur Ernst Lubitsch begann mit seinen Großfilmen, die den deutschen Film, aber auch seine ersten Stars – Emil Jannings und Pola Negri – weltweit bekannt machten. Produzent Erich Pommer war der vielleicht größte Glücksgriff für den jungen Filmkonzern, brachte er doch die besten Filmschaffenden und die vielversprechendsten Talente in Babelsberg zusammen. Der Ufa-Konzern ging im Laufe der Jahrzehnte durch Höhen und Tiefen. Bis heute bewundert für die Produktion von Stummfilmklassiker wie METROPOLIS oder DER LETZTE MANN, aber auch geächtet, vor allem für die Rolle, welche die Ufa im NS-Kino spielte. Getragen wurde der Filmkonzern durch die bis heute bekannten, aber auch bereits vergessenen Filmschaffenden, deren Biografien eng mit der Geschichte der Ufa verbunden sind und um die sich diese Filmreihe drehen wird.

DER BLAUE ENGEL war einer der ersten Tonfilme der Ufa und Marlene Dietrichs Sprungbrett für ihre internationale Karriere. Während Dietrich und Regisseur Josef von Sternberg bereits 1930 in die USA gingen und viele Projekte zusammen verwirklichten, blieben die anderen Mitwirkenden zunächst in Deutschland und arbeiteten weiterhin für die Ufa und andere Produktionsgesellschaften. Der eigentliche Star Emil Jannings pflegte bereits seit Mitte der 1920er Jahre eine internationale Karriere und gewann als erster Schauspieler überhaupt einen Oscar für seine Darstellung in den beiden Filmen THE WAY OF ALL FLESH und SEIN LETZTER BEFEHL. Doch war Jannings nie besonders glücklich in Hollywood und als sich dann auch noch der Wechsel vom Stumm- zum Tonfilm vollzog und seine exaltierte Schauspielerei in Hollywood nicht mehr gefragt war, kam er 1929 nach Deutschland zurück. Nach 1933 ging Jannings Karriere, der in seiner Heimat immer noch als einer der populärsten und virtuosesten Schauspieler galt, nahtlos weiter. Er ließ sich auf Rollen in nationalsozialistischen Propagandafilmen ein und wurde zu einem der bestbezahltesten Schauspieler des Dritten Reichs.

Für andere Filmschaffende änderte sich das Leben schlagartig mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Quasi im vorauseilenden Gehorsam beschlossen die Vorstandmitglieder der Ufa bereits am 29. März 1933, noch vor der Erlassung des „Gesetzes über die Errichtung einer vorläufigen Filmkammer“ vom 14. Juli 1933, zahlreiche jüdische Mitarbeiter zu entlassen.
Für Schauspieler Kurt Gerron und Komponist Friedrich Hollaender gab es aufgrund ihrer jüdischen Abstammung in Deutschland keine Zukunft. Doch nur Hollaender gelang die Flucht in die USA. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, wurde Gerron gezwungen, seine Regiearbeit an dem Ufa-Film KIND, ICH FREU' MICH AUF DEIN KOMMEN (1933) aufzugeben. Anschließend floh er nach Paris und dann nach Amsterdam, wurde dort aber 1943 verhaftet und ins Konzentrationslager interniert. Im KZ Theresienstadt erkannte ein SS-Mann Gerron, der daraufhin gezwungen wurde, den vorgeblich dokumentarischen Film THERESIENSTADT herzustellen. Nach Abschluss der Dreharbeiten wurde Kurt Gerron zusammen mit dem Großteil der „Mitwirkenden“ des Films nach Auschwitz deportiert und durch die Nationalsozialisten in einer Gaskammer ermordet.

Foto oben: Quelle: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

 

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