Restaurierung von Schatten
SCHATTEN aus dem Jahr 1923 ist zweifelsohne einer der besten Filme
des deutschen Expressionismus, und es sind heute noch viele Kopien dieses
Films in Archiven weltweit erhalten. Der unter der Regie von Arthur
Robison entstandene Film wurde maßgeblich von den Ideen Albin
Graus geprägt, der sich für die Architektur, Dekoration und
Kostüme verantwortlich zeichnete. Auch hatte Grau Einfluss auf
den Inhalt des Films und verlieh diesem deutlich okkultistische Züge.
Für diesen Film – ein phantastisches Spiel um eine abenteuerliche
Begegnung in einer Nacht – wollte man ursprünglich Friedrich
Wilhelm Murnau als Regisseur gewinnen, der jedoch aufgrund anderer Vertragsverpflichtungen
nicht zur Verfügung stand.
Die Restaurierung erfolgte auf der Grundlage eines Dup-Negativs einer
amerikanischen Verleihversion des Museum of Modern Art, New York sowie
einer viragierten Original-Nitro-Kopie mit französischen Zwischentiteln
der Cinémathèque Française, Paris.
Die Restaurierungsarbeiten begannen mit dem Abgleich aller existierenden
Materialien, mit einem Nachvollziehen bisheriger Bearbeitungen und der
„Archivierungsgeschichte“ des Films, um sich so nah wie
möglich an die Originalversion anzunähern. Ergebnis dieser
Untersuchungen war, dass alle existierenden Materialien und Kopien auf
zwei unterschiedlichen Originalnegativen basieren.
Das erste Negativ, überliefert als Dup-Negativ des Museum of Modern
Art, entsprach den Kopien aus Deutschland (Cinémathèque
Française) und den Vereinigten Staaten (Museum of Modern Art)
und höchstwahrscheinlich auch der Kopie aus Spanien (Filmoteca
Española).
Das zweite Negativ, überliefert durch ein Nitro-Dup-Negativ, das
in den 1940er Jahren von einer englischen Verleihkopie hergestellt wurde,
unterschied sich vom ersten darin, dass es aus verschiedenen Aufnahmen
– meistens mit sehr unterschiedlichen Handlungen und Kameraeinstellungen
– zusammengeschnitten wurde. Dieses zweite Negativ bildete die
Grundlage zur Herstellung von Kopien, die in Filmarchiven in London
und Mailand aufbewahrt werden.
Gemäß aller aufgefundenen Dokumente wurde der Film ohne Zwischentitel
uraufgeführt (bis auf die Einleitungstitel). Die aufgrund verschiedener
Beschwerden durch Verleiher und Zuschauer später hinzugefügten
Zwischentitel fanden in der rekonstruierten Fassung keine Berücksichtigung.
Luciano Berriatúa
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