Zur Rekonstruktion
Der Film, den Hanns Schwarz um Brigitte Helm konstruiert hat, konnte
dank des National Film Archive in London bereits vor Jahrzehnten wiederentdeckt
und Filmfreunden und Liebhabern alter Stummfilme präsentiert werden.
Die Kopie war zwar in Bezug auf ihre inhaltliche Struktur relativ komplett
(selbst wenn die Partitur von Maurice Jaubert das Fehlen einiger Minuten
verriet), aber leider in einem sehr schlechten Zustand. Sie wies Schrammen,
Klebestellen und fehlende Sequenzen auf – alles Defekte, die eine
oft genutzte Verleihkopie ausweisen.
Dank der Zusammenarbeit von Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, dem Bundesarchiv-Filmarchiv
Berlin/ Koblenz und arte konnte eine Recherche der meisten Materialien
stattfinden. Resultat: Man fand – neben anderen, weniger wichtigen
Elementen – die beiden Original-Kamera-Negative der deutschen
und der ausländischen Verleihfassung im Bundesarchiv-Filmarchiv.
Der Vergleich dieser beiden Negativmaterialien mit den bisherigen Restaurierungen
ermöglichte es, die Unterschiede und insbesondere die Unvollständigkeit
des Negativs der deutschen Verleihfassung und der Version des National
Film Archive festzustellen.
Nachdem der Vergleich abgeschlossen war, konnten Szenenfolge und Montage
des Films rekonstruiert werden. Die neu rekonstruierte Fassung ist der
Originalfassung näher als die alte Fassung – nicht nur weil
sie länger ist, sondern auch weil die Montage mit der Partitur
von Maurice Jaubert korrespondiert.
Aus der Sicht der Erhaltung des Materials, waren die beiden Nitro-Negative
in einem guten Zustand, aber die Anzeichen von Zersetzung der Schicht
sind offensichtlich. Sie erzeugen einen raschen Wechsel der Dichte in
den Bildern, der sich wie ein vor dem Objektiv vorbeiziehender weißer
Schleier äußert. Man hat folglich besondere Verfahren der
Restaurierung angewandt, die eine Reduzierung der heftigsten und in
einigen Fällen eine gänzliche Beseitigung dieser Effekte erzielen
konnten.
Neben dem Versuch, die Schäden der Zeit – wie Zersetzung
und Schrammen – zu vermindern, konzentrierte sich der Prozess
der Restaurierung vor allem darauf, die photographischen Werte des Originals,
wie Auflösung, Kontrast und Dichte, die in den vorherigen Versionen
verloren gegangen waren, wiederzuerlangen. Durch die Möglichkeit,
mit dem Original-Negativ zu arbeiten, ist dies gelungen.
Dank der angewandten Verfahren kann nun auf Leinwand und Bildschirm
die von Carl Hoffmann erzeugte Weichheit des schwarz/ weiß wiederentdeckt
werden, die das Gesicht von Brigitte Helm umschmeicheln, oder das gedämpfte
Licht, das die Darsteller bei den Liebesszenen und dem dramatischen
Ende einhüllt. In der Tat spielt die gesamte Photographie sowohl
bei den Kontrasten als auch bei den Dichten mit leichten Tonarten und
minimalen Klängen, die in unseren Augen sehr gut mit dem Spiel
der Darsteller und der Inszenierung korrespondieren.
Man kann also sagen, dass im Fall von DIE WUNDERBARE LÜGE DER NINA
PETROWNA nicht nur die Narration des Films restauriert wurde, sondern
auch seine plastischen und formalen Werte. Folglich eine umfassende
Restaurierung, die uns einen großen Film zurückgibt.
Nicola Mazzanti
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