Restaurierung von Der letzte Mann.

 

Von dem Film DER LETZTE MANN gab es ursprünglich drei Versionen mit unterschiedlichen Aufnahmen. Die Mehrzahl der feststehenden Einstellungen wurde mit zwei Kameras und die Einstellungen mit Kamerabewegungen wurden mit Karl Freunds eigener Kamera, der ‚Stachow’, gedreht.
Murnau achtete darauf, von jeder Einstellung eine ausreichende Anzahl gelungener Aufnahmen zu erhalten, um daraus drei Originalnegative montieren zu können: ein Negativ für Deutschland, eines für den allgemeinen Export und ein drittes für die USA.
Die amerikanische Fassung (THE LAST LAUGH) ist fast vollständig durch eine Nitrokopie aus Canberra, Australien überliefert, die 1925 oder 1926 für die australische Auswertung in New York hergestellt wurde.
Eine Nitrokopie der deutschen Fassung, aus der Auswertung des Films in der Schweiz, wurde bei der Cinémathèque Suisse in Lausanne aufbewahrt. Sie ist jedoch seit einer Ausleihe an die Cinémathèque Française vor einigen Jahren verschollen. In Lausanne befindet sich noch ein Dup-Negativ dieser Kopie. Es handelt sich jedoch um eine unvollständige Fassung, der der Epilog fehlt.
Da die Ufa 1936 das deutsche Negativ und das Exportnegativ veränderte, überliefern weitere erhaltene Materialien nicht mehr die ursprüngliche Montage des Films. Grund für die Überarbeitung der beiden Negative ist vermutlich die Herstellung einer Kopie für das Museum of Modern Art, New York. Aus ungeklärten Gründen wurden dabei ganze Rollen der beiden Negative untereinander ausgetauscht. Daher weisen alle nach 1936 von diesen Negativen gezogenen Kopien eine Mischung aus beiden Versionen auf.
Das Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin bewahrt noch eines der beiden Original-Kameranegative aus dieser Überarbeitung auf. Das Museum of Modern Art in New York besitzt eine von dem anderen Negativ stammende Nitrokopie von 1936, die demnach die ergänzenden Materialien zum Negativ des Bundesarchivs enthält.
Die Restaurierung bestand aus der vollständigen Reproduktion des Negativs aus dem Bundesarchiv-Filmarchiv und der Kopie aus dem Museum of Modern Art sowie einiger Fragmente, die heute in dieser Kopie wegen ihrer zahlreichen Kinoeinsätze verloren, aber in einem Duplikat noch enthalten sind.
Außerdem wurden aus dem Schweizer Dup-Negativ einige Einstellungen verwendet. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Einstellungen mit deutschem Text. Andere Einstellungen, die auch in dem Schweizer Material fehlen, da es sich um den Text des Epilogs handelt, hat man einem älteren Lavendel der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung entnommen, das auf eine Kopie der deutschen Version zurückgeht, die heute nicht mehr erhalten ist.
Anhand dieser Materialien konnten die Originalnegative für die Auswertung in Deutschland und im Export rekonstruiert werden. Wir konnten die Einstellungen jeder Version identifizieren. Die Kleberinnen der 1920er Jahre nutzten Nummerierungssysteme, bei denen jede Einstellung in jedem Negativ anders nummeriert wurde. Diese am Rand des Negativs mit Tusche geschriebenen oder eingekratzten Anmerkungen sind im Originalnegativ des Bundesarchivs erhalten. Anhand der Markierungen war festzustellen, dass die Einstellungen der Schweizer Kopie immer mit denjenigen im Originalnegativ identisch waren, die dort mit dem gleichen Code gekennzeichnet waren.
Ausgehend von dem erhaltenen Originalnegativ oder Kopien erster Generation war es möglich, die drei Versionen von DER LETZTE MANN in ihrer jeweils originalen Montage und in der bestmöglichen Bildqualität zu rekonstruieren.

Luciano Berriatúa und Camille Blot



 

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